Wie Bruno zu uns kam

Veröffentlicht am 25. Juni 2026 um 14:50

Bruno kam an einem Freitag im Juli 2015 zu uns. Acht Wochen alt, schwarz-weiße Brust.

Und er hatte einen Plan.

Ich schlich mich durch die neu gebaute Gartentür, damit meine Kinder die angekündigte Überraschung nicht schon vorher sahen. Ich saß also bei Bruno, der neben mir im Gras lag.

Mein damaliger Mann kam mit den Kindern über die Terrasse nach draußen. Meine 2 Jungs haben sofort gegrinst. Meine Tochter hat erst kurz gestockt, dann gequietscht, gejubelt, geweint – alles gleichzeitig.

Bruno hat alle schwanzwedelnd begrüßt und sich erstmal ausgiebig durchkraulen lassen, nach dem er alle beschnuppert hatte.

 

Ich hatte auch einen Plan.

Sechs Wochen Ferien. Genug Zeit für Stubenreinheit, alleine bleiben können und die wichtigsten Grundkommandos kennen.

Klingt machbar?

Theoretisch schon, die Umsetzung war anders als gedacht.

 

Die erste Nacht war still, dennoch nicht ruhig. Bruno schlief in seiner neu gebauten Kiste, damit ich merke, wann er raus muss. Bruno fiepte immer wieder. Er vermisste seine Mama und Geschwister ganz bestimmt.

Ich habe meine Hand in seine Kiste gehalten, damit er sich nicht alleine fühlt. Im Bett wollte ich ihn damals nicht haben.

 

Am nächsten Morgen begann das echte Leben mit ihm.

Stubenrein war er vom ersten Tag an. Fast.

Einmal habe ich ihn mit einem Wasserstrahl aus einer Sprühflasche (mit Hundetrainerin abgesprochen) korrigiert. Bruno schüttelte sich, sah mich an und lief ins Esszimmer. Er hockte sich hin und piselte demonstrativ, mit vollem Bewusstsein. So nach dem Motto „Ich lass mich nicht mit Wasser korrigieren“. Ich musste mir das Lachen verkneifen. Ich habe das Malheur weggewischt und die Sprühflasche weggepackt. Das war nicht das richtige Korrekturmittel für mich.

 

Die Tage liefen gut, die Nächte wurden ruhiger. Relativ schnell schlief Bruno durch.

Das Training, begleitet von einer Hundetrainerin, verlief besser als gedacht. Sitz, ablegen, Nein klappte schnell. Bruno wollte lernen und erwies sich als ziemlich intelligent.

Allerdings hatte er abends seine dollen fünf Minuten. Er rannte hin und her und hinter uns her und zwickte uns in die Beine. Egal, ob wir uns schnell oder langsam bewegten. Unsere Schlafanzüge sahen bald aus wie Golfplätze, überall Löcher.

Wir haben uns ernsthaft auf die Rückenlehne vom Sofa gerettet, damit Bruno nicht an unsere Beine ran kam.

Vor dem Sofa ein 12 Wochen junger Welpe in Beißlaune, auf der Rückenlehne drei Kinder und ich, die Beine soweit weg wie möglich vom Hund.

 

Ich muss gerade schmunzeln, wenn ich mich daran erinnere.

 

Zum Glück arbeitete ich von Anfang an mit einer Hundetrainerin zusammen.

Ihre Ansage war klar. Bruno akzeptiert mich nicht als Rudelführer/Alphatier, also musste eine Lösung her.

Bruno wurde den ganzen Tag ignoriert. Zuneigung und Anschauen gab es nur noch zum Training und Gassi gehen. Sonst nicht. Kein Blickkontakt, kein Anfassen, keine Reaktion.

Ich sollte meinen eigenen Hund ignorieren.

 

Rational gesehen, habe ich es sofort verstanden.

Bruno sollte lernen, dass ich das Alphatier bin.

Emotional brach es mir das Herz.

Jedes Mal, wenn ich ihn aus dem Kennel (für die Box war er mittlerweile zu groß) holte und seinen Blick im Augenwinkel sah, fiel es mir sehr schwer, ihn nicht anzufassen. Dieser Blick – halb Vorwurf, halb Sehnsucht. Ich habe die Trainingseinheiten zeitlich verkürzt, dafür die Anzahl erhöht. So kam Bruno doch zu seinen Streicheleinheiten und ich fühlte mich nicht ganz so schuldig, ihn so oft ignorieren zu müssen.

 

Es hat funktioniert. Bruno hat gelernt, dass ich das Sagen habe. Und ich hab gelernt, dass Konsequenz manchmal wehtut.

 

Sechs Wochen Ferien. Ziemlich viel Aufregung.

Dennoch stubenrein, grundkommandofest, alleine bleiben. Und die ersten Tricks konnte er auch schon.

 

Alles erledigt. Die Sofalehne brauchten wir nicht mehr.

Jetzt konnten wir uns auf die schönen Dinge mit Hund konzentrieren.

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